58.392 Menschen aus Ingenieur- und Informatikberufen waren Ende 2025 im Schnitt arbeitslos gemeldet, so viele wie nie seit Beginn des VDI/IW-Ingenieurmonitors im Jahr 2011. Im selben Quartal kamen in den Bauingenieurberufen auf 100 Arbeitslose 314 offene Stellen. Kein anderes Ingenieurfeld war so knapp besetzt.
Kurz gesagt: Ein Headhunter in der Baubranche lohnt sich, wenn eine Führungsposition weder über Anzeigen noch über das eigene Netzwerk zu besetzen ist. Bei Bauleitung, Projektsteuerung und technischer Leitung ist das derzeit eher die Regel. Mit dem Sondervermögen Infrastruktur wächst die Nachfrage weiter. Einen Teil der Lücke können Führungskräfte aus Industrie und Anlagenbau schließen, aber nicht jede Rolle.
Inhalt
- Warum fehlen am Bau gerade jetzt Führungskräfte?
- Welche Positionen sind besonders schwer zu besetzen?
- Quereinstieg aus Automotive und Maschinenbau: wo er funktioniert
- Wie arbeitet ein Headhunter in der Baubranche?
- Was Sie vor der nächsten Suche klären sollten
- Häufige Fragen
Warum fehlen am Bau gerade jetzt Führungskräfte?
Zwei Entwicklungen treffen aufeinander. Die erste ist politisch: Mit dem Gesetz zur Errichtung eines Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität vom 30. September 2025 stehen bis zu 500 Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen bereit, davon bis zu 100 Milliarden Euro für die Länder. Seit dem 1. Juli 2026 gilt außerdem das Vergabebeschleunigungsgesetz, das öffentliche Aufträge schneller auf die Straße bringen soll. Der Bund darf zum Beispiel Direktaufträge jetzt bis 50.000 Euro vergeben.
Die zweite Entwicklung ist personell, und sie war schon vor dem Sondervermögen da. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im September 2025 nachgerechnet, wer die Milliarden eigentlich verbauen soll. Das Ergebnis der IW-Studie:
- Schon damals fehlten rund 10.000 Fachleute für die Planung von Bauprojekten.
- Bei Bauingenieuren, Prüfstatikern und Bauleitern waren 81 Prozent der offenen Stellen nicht besetzbar, weil es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab.
- Im Tiefbau müssten die Kapazitäten um etwa 18 Prozent wachsen, um Straßen, Schienen und Brücken zu sanieren. Dort fehlten zum Zeitpunkt der Studie über 4.000 Fachkräfte, vom Facharbeiter bis zur Ingenieurin.
- Die Zahl der Studienanfänger in den relevanten Fächern sinkt.
In den Auftragsbüchern kommt die Entwicklung langsam an, allerdings mit Ausschlägen. Laut Statistischem Bundesamt lag der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Juni 2026 um 11,3 Prozent über dem Vorjahresmonat, im Tiefbau sogar um 17,8 Prozent. Im Juli folgte ein Rückgang um 9,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Für die Personalplanung ist die Richtung wichtiger als der einzelne Monat: Wer 2027 und 2028 öffentliche Infrastrukturprojekte abwickeln will, braucht die Projektleitung dafür jetzt. Eine Führungskraft, die heute unterschreibt, fängt wegen der Kündigungsfrist meist erst im neuen Jahr an.
Dazu kommt eine Beobachtung, die der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in seinem Arbeitsmarktreport 2026 festhält: Die Klagen der Bauunternehmen über Abwerbung sind weiterhin hoch. Die Branche zieht sich die knappen Leute also gegenseitig ab, statt neue zu gewinnen.
Welche Positionen sind besonders schwer zu besetzen?
Die Statistik unterscheidet nicht nach Hierarchieebene. Aus der Suchpraxis lässt sich aber sagen, wo es im Mittelstand besonders hakt. Es sind fast immer die Rollen, die Technik, Vertragsrecht und Personalführung gleichzeitig verlangen:
- Oberbauleitung und Projektleitung im Tiefbau, Straßen- und Brückenbau
- Leitung Kalkulation und Arbeitsvorbereitung, weil die Angebotsphase bei öffentlichen Ausschreibungen über den Ertrag des ganzen Projekts entscheidet
- Technische Leitung in der Gebäude- und Versorgungstechnik (TGA), also Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro
- Niederlassungsleitung, wenn ein Unternehmen regional wachsen will
- Technische oder kaufmännische Geschäftsführung, oft im Zusammenhang mit einer Nachfolge
Für die Gebäude- und Versorgungstechnik gibt der Ingenieurmonitor einen deutlichen Hinweis: Nach den Bauingenieuren sind die Ingenieurberufe Energie- und Elektrotechnik mit 246 offenen Stellen je 100 Arbeitslose am zweitknappsten. Wer eine technische Leitung für Elektro- oder Energieprojekte sucht, konkurriert also nicht nur mit anderen Baufirmen, sondern auch mit Netzbetreibern, Stadtwerken und Anlagenbauern, die dieselben Leute brauchen.
Der Engpass an der Spitze wirkt nach unten weiter. Ohne erfahrene Oberbauleitung lassen sich junge Bauleiter kaum einarbeiten, und ohne Kalkulationsleitung gehen Angebote zu spät oder zu teuer raus. Ein Bauunternehmen mit zehn Ingenieuren und einer offenen Führungsstelle hat deshalb oft ein größeres Problem als eines mit drei offenen Fachkraftstellen.
Quereinstieg aus Automotive und Maschinenbau: wo er funktioniert
Hier lohnt ein zweiter Blick in den Ingenieurmonitor 2025/IV, den das IW im August 2026 für den VDI veröffentlicht hat. Die Arbeitslosigkeit in den Bauingenieurberufen stieg binnen eines Jahres um 5,8 Prozent. In den Ingenieurberufen Maschinen- und Fahrzeugtechnik waren es 34,0 Prozent, in Technischer Forschung und Produktionssteuerung 32,9 Prozent. Am stärksten zogen die Zahlen in Bayern und Baden-Württemberg an, wo der Fahrzeugbau besonders viel Gewicht hat.
Zwei Arbeitsmärkte für Ingenieure laufen also gerade in entgegengesetzte Richtungen. Unsere Einschätzung: Bauunternehmen, die Führungskräfte ausschließlich in der eigenen Branche suchen, verzichten auf einen Teil des Marktes, in dem gerade Bewegung ist. Eine Programmleiterin von einem Zulieferer führt deshalb noch lange keine Großbaustelle. Pro Rolle lohnt sich aber die ehrliche Prüfung, welche Erfahrung wirklich baufachlich sein muss und was sich in den ersten Monaten lernen lässt.
Die folgende Übersicht ist eine Einschätzung aus der Beratungspraxis, keine Statistik. Sie zeigt, in welchen Funktionen ein Wechsel aus der Industrie realistisch ist:
| Funktion | Quereinstieg aus der Industrie | Was meist nachgelernt werden muss |
|---|---|---|
| Bauleitung, Oberbauleitung | kaum realistisch | Bauablauf, VOB/B, Steuerung von Nachunternehmern, Autorität auf der Baustelle |
| Projektsteuerung, Leitung Arbeitsvorbereitung | gut möglich | Bauvertragslogik, Nachtragswesen |
| Technische Leitung TGA | teilweise, aus Anlagen- und Elektrotechnik | Normen, Abnahmen, Schnittstellen zu den Gewerken |
| Kaufmännische Leitung, Controlling | gut möglich | Bauabrechnung, Arbeitsgemeinschaften |
| Werkleitung Betonfertigteile oder Baustoffe | gut möglich | wenig, Serienfertigung bleibt Serienfertigung |
| Digitalisierung, BIM-Koordination | gut möglich | Praxis auf der Baustelle |
Was Führungskräfte aus Automotive und Maschinenbau mitbringen, ist Prozessdisziplin. Wer einen Serienanlauf mit Lieferanten aus mehreren Ländern verantwortet hat, kennt Terminpläne mit kritischem Pfad, Eskalationsregeln und Qualitätsrunden. In vielen mittelständischen Bauunternehmen sind solche Routinen weniger ausgeprägt. Was fehlt, ist das Gefühl dafür, wie eine Baustelle tickt: Witterung, wechselnde Nachunternehmer, ein Polier mit 30 Jahren Erfahrung, der nicht auf Folien reagiert. Das lässt sich lernen, aber nicht in vier Wochen.
Ein Beispiel aus der Beratungspraxis
Anonymisiert und zur Veranschaulichung: Ein inhabergeführtes Tiefbauunternehmen am Niederrhein gewinnt mehrere Rahmenverträge für Kanal- und Brückensanierung. Gesucht wird eine Leitung Projektsteuerung, die Termine, Kosten und Personaleinsatz über mehr als ein Dutzend parallele Baustellen plant. Auf die eigene Anzeige melden sich vor allem Bauleiter, die fachlich passen, aber noch nie mehr als zwei Projekte gleichzeitig gesteuert haben. Bei der Direktansprache wird der Suchradius deshalb bewusst geöffnet: Die Hälfte der Zielunternehmen kommt aus dem Bau, die andere Hälfte aus dem Anlagenbau und von Automobilzulieferern. Die spätere Besetzung kommt aus dem Programmmanagement eines Zulieferers. Der Inhaber stellt ihr für das erste Jahr einen erfahrenen Oberbauleiter als festen Ansprechpartner für alles Bauvertragliche zur Seite.
Ohne dieses Tandem wäre die Besetzung vermutlich in der Probezeit gescheitert. Wer Quereinsteiger holt, sollte die Begleitung deshalb schon vor der ersten Ansprache einplanen und nicht erst, wenn es auf der Baustelle knirscht.
Wie arbeitet ein Headhunter in der Baubranche?
Der Kern ist dieselbe Methode wie in jeder anderen Branche: Der Berater identifiziert Menschen, die eine vergleichbare Rolle heute schon ausfüllen, und spricht sie persönlich und vertraulich an. Wie dieser Ablauf von der Zielfirmenliste bis zum ersten Gespräch aussieht, beschreibt unser Beitrag zur Direktansprache von Kandidaten. Im Bau kommen drei Besonderheiten hinzu.
Erstens ist der Markt regional. Viele Bauleiter und Projektleiter wechseln nur, wenn der Arbeitsweg gleich bleibt oder kürzer wird, weil sie ohnehin täglich zu wechselnden Baustellen fahren. Eine gute Zielfirmenliste beginnt deshalb mit einer Landkarte, nicht mit einer Branchenliste.
Zweitens zählt die Bauart. Ein Projektleiter aus dem schlüsselfertigen Hochbau ist im Brückenbau nicht automatisch richtig, und wer TGA-Projekte in Krankenhäusern geleitet hat, denkt anders als jemand aus dem Wohnungsbau. Ein Headhunter muss diese Unterschiede kennen, sonst präsentiert er Lebensläufe, die nur auf dem Papier passen.
Drittens wird der Branchenwechsel zur eigenen Prüfaufgabe. Bei Quereinsteigern reicht der Lebenslauf noch weniger als sonst. Hier hilft strukturierte Management-Diagnostik, etwa mit teilstrukturierten Interviews und Persönlichkeitsverfahren, um einzuschätzen, ob jemand mit der rauen Kommunikation auf Baustellen zurechtkommt. Und nach der Unterschrift braucht es ein geplantes Onboarding für Führungskräfte, damit die ersten 90 Tage nicht im Leerlauf zwischen Büro und Baustelle vergehen.
Was Sie vor der nächsten Suche klären sollten
Bevor Sie einen Headhunter beauftragen oder eine Anzeige schalten, sparen ein paar Entscheidungen später viel Zeit:
- Welche Erfahrung ist wirklich baufachlich? Schreiben Sie für die Rolle auf, was jemand am ersten Tag können muss und was er sich in sechs Monaten aneignen kann. Erst diese Trennung macht Quereinsteiger überhaupt prüfbar.
- Wer begleitet die neue Führungskraft? Gerade bei Branchenwechslern sollte vor Vertragsunterschrift feststehen, wer das Bauvertragliche abdeckt, bis die Person eingearbeitet ist.
- Passt Ihr Gehaltsband zum Markt? Bei 314 offenen Stellen auf 100 Arbeitslose verhandeln erfahrene Bauingenieure aus einer starken Position. Ein Band, das intern stimmig ist, kann extern zu niedrig sein.
- Wie schnell entscheiden Sie? Gute Kandidaten haben meist mehrere Gespräche parallel. Planen Sie die Termine Ihrer Geschäftsführung für die Interviewphase vorab ein.
- Wie weit reicht Ihr Suchradius? Legen Sie fest, ob Umzug oder Zweitwohnung infrage kommen, und ob Kandidaten aus angrenzenden Branchen ausdrücklich gewünscht sind.
Wer diese Punkte vorab klärt, verkürzt die Suche meist mehr als jede zusätzliche Stellenanzeige. Wenn Sie wissen wollen, warum steigende Arbeitslosenzahlen die Suche nach Schlüsselpersonen trotzdem nicht leichter machen, lesen Sie unseren Beitrag zum Arbeitsmarkt für Führungskräfte in München. Der Mechanismus dahinter gilt für den Bau genauso.
Häufige Fragen zum Headhunter in der Baubranche
Was kostet ein Headhunter für die Baubranche?
Das Honorar zahlt immer das beauftragende Unternehmen, nie der Kandidat. Es richtet sich in der Regel nach dem Jahreszielgehalt der Position und wird bei Executive-Search-Mandaten meist in Raten über den Projektverlauf fällig. Lassen Sie sich Honorar, Zahlungsplan und eine mögliche Nachbesetzungsgarantie vor Beginn schriftlich bestätigen.
Wie lange dauert die Besetzung einer Bauleitung oder Projektleitung?
Die reine Suche bis zu den ersten geprüften Kandidaten dauert bei Schlagheck + Radtke in der Regel vier bis sechs Wochen. Danach hängt der Zeitplan vor allem von Ihrem Entscheidungsprozess und der Kündigungsfrist ab, die bei Führungskräften meist mehrere Monate beträgt. Für eine Projektleitung, die ein Vorhaben im Frühjahr übernehmen soll, sollte die Suche deshalb im Herbst beginnen.
Können Ingenieure aus dem Maschinenbau im Bau Führungsaufgaben übernehmen?
In vielen Rollen ja, vor allem in Projektsteuerung, Werkleitung, Controlling oder Digitalisierung. Für die direkte Bauleitung fehlt ihnen meist die Erfahrung mit Bauablauf, VOB/B und Nachunternehmern. Ein erfahrener Ansprechpartner aus dem eigenen Haus für das erste Jahr senkt das Risiko deutlich.
Lohnt sich ein Headhunter auch für kleinere Bauunternehmen?
Für Fachkraftstellen meist nicht. Für die Geschäftsführung, eine Niederlassungsleitung oder eine Schlüsselposition, an der Aufträge hängen, oft schon. Rechnen Sie dagegen, was ein Projekt kostet, das ohne die passende Leitung nicht angenommen oder nur mit Verzug abgewickelt werden kann.
Ihre Vakanz im Bau besprechen
Sie suchen eine Bauleitung, eine Projektsteuerung oder eine technische Leitung und die üblichen Kanäle bringen nicht die richtigen Leute? Unsere Headhunter für das Bauwesen, Anna Csuti und Christian Wolfrum, kennen den Bau- und TGA-Markt und suchen auf Wunsch gezielt auch in angrenzenden Industrien. Mehr zu unserer Arbeit finden Sie auf der Seite Personalberatung Bauwesen. Das erste Gespräch ist unverbindlich, und auf jede Besetzung geben wir bis zu 24 Monate Garantie.
Was kann ich für Sie tun?
Sie haben ein konkretes Anliegen oder möchten mehr über unsere Personalberatung erfahren, dann setzen Sie sich gerne mit mir in Verbindung.
Sie erreichen mich unter ✆ +49 2 132 / 51 02 17 0
Ihr Christian Wolfrum
