10.452 offene Arbeitsstellen meldeten die Unternehmen im Agenturbezirk München im September 2026, gut ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Im selben Monat waren dort 61.124 Menschen arbeitslos gemeldet, die Quote lag mit 5,3 Prozent leicht über dem Vorjahreswert. Wer daraus schließt, dass sich Schlüsselpositionen in München gerade leichter besetzen lassen, wird bei der nächsten Suche nach einer Werkleitung oder einem Vertriebschef vermutlich enttäuscht.
Kurz gesagt: Ein Headhunter in München lohnt sich nicht trotz, sondern wegen der aktuellen Lage. Der Bewerbermarkt ist breiter geworden, doch die Menschen, die eine Führungsrolle im technischen Mittelstand bereits erfolgreich ausfüllen, sind selten arbeitslos gemeldet. Sie arbeiten in Festanstellung, oft bei Wettbewerbern im Umland, und müssen gezielt und diskret angesprochen werden.
Mehr Arbeitslose und mehr offene Stellen: Was passiert gerade am Münchner Arbeitsmarkt?
Die Zahlen aus dem September stammen aus der Rathaus Umschau der Landeshauptstadt München und beziehen sich auf den Agenturbezirk, also die Stadt und den Landkreis München zusammen. In der Stadt allein lag die Arbeitslosenquote im September 2026 bei 5,7 Prozent. Die Stadt spricht von einer erneut schwachen Herbstbelebung, gleichzeitig entwickelt sich die Nachfrage nach Arbeitskräften positiv.
Aufschlussreicher ist ein Detail, das das Statistische Amt München ausgewertet hat: Im September 2025 hatten 28,1 Prozent der Arbeitslosen in München einen Hochschulabschluss. Vier Jahre zuvor waren es 19,1 Prozent. Das Amt folgert daraus, dass ein Studium in München keine Beschäftigungsgarantie mehr ist.
Für Personalverantwortliche im Mittelstand ist das eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich. Für breit einsetzbare Profile, etwa im Controlling, im Projektmanagement oder in der IT-Administration, ist die Auswahl tatsächlich größer geworden. Für eine Werkleitung mit Spritzguss-Erfahrung, eine Leitung Einkauf mit Zuliefererhintergrund oder eine kaufmännische Geschäftsführung, die eine Nachfolge im Familienunternehmen mitträgt, gilt das kaum. Wer solche Rollen gut ausfüllt, wird selten freigesetzt, und falls doch, hat er nach wenigen Wochen mehrere Angebote.
Wo der Markt für Führungskräfte in Oberbayern eng bleibt
Mittelfristig verschiebt sich das Verhältnis wieder zulasten der Arbeitgeber. Die Studie „Regionale Arbeitslandschaften“, die die Prognos AG im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft erstellt hat, beziffert die Fachkräftelücke in Oberbayern für 2025 auf 68.350 Personen. Bis 2035 wächst sie auf 80.250. Damit ist Oberbayern laut vbw die am stärksten betroffene Region im Freistaat, Engpässe erwartet die Studie in 25 von 36 Berufshauptgruppen. In den Ballungszentren steigt das Arbeitskräfteangebot zwar, ein echtes Überangebot sieht die Studie aber nirgends in Bayern.
Dazu kommt eine Münchner Eigenheit: Der Kandidatenmarkt endet nicht an der Stadtgrenze. Zum 30. Juni 2025 pendelten laut Statistischem Amt 464.210 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zur Arbeit nach München ein. Zum Vergleich: Ende 2025 hatten rund 973.000 Beschäftigte ihren Arbeitsort in München. Knapp die Hälfte der Arbeitsplätze in der Stadt ist also mit Menschen besetzt, die außerhalb wohnen. Für die Suche heißt das: Wer nur in München sucht, übersieht einen großen Teil der Leute, die für die Position infrage kommen.
Besonders deutlich zeigt sich das in den Branchen, die den Münchner Raum industriell prägen:
- Automobilzulieferer, die Produktportfolios und Werke gerade umbauen und dafür Führungskräfte mit Transformationserfahrung brauchen (mehr dazu auf unserer Seite Personalberatung Automotive)
- Maschinen- und Anlagenbau sowie Automation, vom Sensorhersteller bis zum Systemintegrator
- Luftfahrtzulieferer und MRO-Betriebe, also Unternehmen für Wartung, Reparatur und Überholung von Luftfahrzeugen
- Nachbesetzungen, die vertraulich laufen müssen, weil die bisherige Stelleninhaberin noch im Amt ist
Wie arbeitet ein Headhunter in München, wenn die Stellenanzeige nicht reicht?
Der Kern ist die Direktansprache: Der Berater identifiziert Personen, die eine vergleichbare Rolle heute schon ausfüllen, und spricht sie persönlich an. Wie dieser Prozess Schritt für Schritt abläuft, von der Zielfirmenliste bis zum ersten Gespräch, beschreibt unser Beitrag zur Direktansprache von Kandidaten. Im Raum München kommen zwei Besonderheiten hinzu.
Erstens konkurriert ein Mittelständler hier um dieselben Leute wie Großkonzerne mit bekannten Namen und hohem Gehaltsniveau. Ein Headhunter muss im Gespräch deshalb früh herausarbeiten, was die Position einem Kandidaten bietet, das er im Konzern nicht bekommt: kürzere Entscheidungswege, mehr Verantwortung pro Kopf, oft auch einen kürzeren Arbeitsweg.
Zweitens entscheidet das Tempo auf Unternehmensseite. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) nennt in seiner Marktstudie 2026 Unsicherheit, Budgetrestriktionen, aufgeschobene Mandate und längere Entscheidungsprozesse bei den Kunden als Hauptgründe dafür, dass vorhandener Personalbedarf häufig verzögert umgesetzt wird. Ein guter Kandidat, der zwischen zwei Gesprächen sechs Wochen auf Rückmeldung wartet, unterschreibt in der Zwischenzeit oft woanders. Wenn Sie einen Headhunter beauftragen, planen Sie deshalb die Interviewtermine Ihrer Geschäftsführung gleich mit ein.
Ein Beispiel aus der Beratungspraxis
Anonymisiert und zur Veranschaulichung: Ein Automobilzulieferer aus dem Münchner Umland mit rund 600 Beschäftigten sucht eine neue Leitung Einkauf. Auf die eigene Anzeige kommen über 80 Bewerbungen, viele davon von gut qualifizierten Leuten aus Konzernen, die gerade Stellen abbauen. Keiner der Bewerber hat allerdings in einem mittelständischen Unternehmen Lieferanten entwickelt oder Preisverhandlungen ohne große Einkaufsabteilung im Rücken geführt. Die Direktansprache konzentriert sich deshalb auf Einkaufsleiter bei Zulieferern ähnlicher Größe zwischen Augsburg und Rosenheim. Die spätere Besetzung kommt aus einem Unternehmen, das gar nicht auf der ursprünglichen Wunschliste des Mandanten stand.
„Viele Unternehmen bekommen auf eine Anzeige im Moment spürbar mehr Bewerbungen als früher. Das eigentliche Problem ist aber nicht die Menge, sondern dass fast niemand darunter ist, der genau diese Rolle schon einmal getragen hat.“ So beschreibt es ein Berater am Münchner Standort von SCHLAGHECK + RADTKE (Zitat zur Veranschaulichung, Name aus Diskretionsgründen nicht genannt).
Woran erkennen Sie den passenden Headhunter in München?
Der Markt für Personalberatung sortiert sich gerade neu. Laut BDU ist die Zahl der Personalberatungen in Deutschland 2025 um rund 200 auf 1.975 gesunken, Executive Search macht weiterhin 79 Prozent des Branchenumsatzes aus. Entsprechend groß sind die Unterschiede zwischen den Anbietern. Prüfen Sie vor der Beauftragung vor allem diese Punkte:
- Kennt der Berater Ihre Branche? Lassen Sie sich vergleichbare Mandate nennen, gern anonymisiert, und achten Sie darauf, ob er die technischen Anforderungen der Rolle ohne Nachfragen versteht.
- Gibt es vor der ersten Ansprache eine abgestimmte Zielfirmenliste? Sie zeigt, wo gesucht wird und ob der Suchradius über München hinausreicht.
- Werden alle präsentierten Kandidaten persönlich interviewt, bevor Sie die Unterlagen sehen?
- Sind Honorar, Zahlungsraten und eine mögliche Nachbesetzungsgarantie vorab schriftlich geregelt?
- Haben Sie einen festen Ansprechpartner, der das Mandat vom Briefing bis zur Vertragsunterschrift begleitet?
Wie Executive Search bei SCHLAGHECK + RADTKE methodisch aufgebaut ist, sehen Sie auf unserer Seite zu Executive Search.
Häufige Fragen zum Headhunter in München
Was kostet ein Headhunter in München?
Das Honorar zahlt immer das beauftragende Unternehmen, nie der Kandidat. Bemessen wird es in der Regel am Jahreszielgehalt der Position, bei Executive-Search-Mandaten meist in Raten über den Projektverlauf. Laut BDU liegt der Schwerpunkt der Branche bei Positionen mit einem Zieleinkommen zwischen 100.000 und 250.000 Euro. Die gängigen Honorarmodelle erklärt unser Beitrag Was ist ein Headhunter? ausführlicher.
Wie schnell liefert ein Headhunter passende Kandidaten?
Bei SCHLAGHECK + RADTKE liegen die entscheidenden Kandidatenprofile in der Regel nach vier bis sechs Wochen vor. Danach hängt die Dauer vor allem von Ihrem eigenen Entscheidungsprozess und von der Kündigungsfrist des Kandidaten ab. Planen Sie diese Frist von Anfang an in Ihren Zeitplan ein.
Sucht ein Headhunter in München nur in der Stadt?
Nein. Fast die Hälfte der Beschäftigten mit Arbeitsort München pendelt von außerhalb ein, der relevante Markt umfasst also mindestens das gesamte Umland. Für sehr spezielle Profile wird bundesweit oder international gesucht, bei SCHLAGHECK + RADTKE auch über das internationale Netzwerk Praxi Alliance.
Lohnt sich ein Headhunter, wenn auf meine Anzeige viele Bewerbungen kommen?
Das hängt von der Position ab. Kommen darunter Bewerber, die die Rolle in einem vergleichbaren Unternehmen schon ausgefüllt haben, brauchen Sie wahrscheinlich keinen Headhunter. Sind es vor allem Quereinsteiger oder Kandidaten aus ganz anderen Unternehmensgrößen, lohnt sich ein Blick in den Teil des Marktes, der sich gar nicht bewirbt.
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